
Szenestadtteil Brooklyn
Dort in Williamsburg tut sich, wie im gesamten Brooklyn, so einiges. Der Stadtteil westlich des East Rivers lässt sich derzeit getrost als der trendigste New Yorks bezeichnen. Mit allen Vor- und Nachteilen, die dieses Attribut mit sich bringt: Hippe Clubs und gute Restaurants gibt es hier inzwischen in Hülle und Fülle. Street Art macht die Wände der Lagerhallen ansehnlicher und im East River Park schießen moderne Wohnhaustürme mit Blick auf Manhattans Skyline aus dem Boden. Zum Nachteil der Anwohner geht das auch mit drastisch steigenden Mieten einher. So wohnt man in Brooklyn Heights in der Nähe des Brooklyn Bridge Parks oder auch in DUMBO, also Down Under The Manhattan Bridge Overpass, inzwischen fast so teuer wie in Manhattan.In Sachen Bierbrauen hat der Standort Brooklyn hingegen Tradition, galt lange sogar als das Zentrum der Bierproduktion der USA. Auswanderer aus Europa hatten sich zahlreich angesiedelt und bereits im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe an Brauereien gegründet. Durch die Prohibition und das spätere Aufkommen der Großbrauereien verschwanden diese jedoch allmählich wieder von der Bildfläche. Ende der 1970er Jahre hatte die letzte der traditionellen Brauereien in Brooklyn ihre Hallen schließen müssen. Seit ihrer Gründung belebt die Brooklyn Brewery, eine von über 4.000 Mikrobrauereien in den USA, lokale Bierkultur hier aufs Neue.
No sleep till Brooklyn
Gründer Steve Hindy (re.) war auch der erste Braumeister der Brooklyn Brewery. Ursprünglich arbeitete er Journalist, war sechs Jahre lang als Korrespondent im Nahen Osten und hat unter anderem in Saudi Arabien das Handwerk des Bierbrauens kennengelernt. Keine Gegend, die für ihr Bier oder gar den ausschweifenden Konsum des Gerstensaftes bekannt ist, werden Sie sagen. Doch traf Hindy dort auf begeisterte Hobbybrauer, die, um das dort geltende Alkoholverbot zu umgehen, geschmacklich intensive Biere in den eigenen vier Wänden produzierten. Sie waren es, die den in Hindy schlummernden Bierbrauer weckten. Der Traum von der eigenen Brauerei ließ ihm keine Ruhe mehr, bis er wieder in Brooklyn ankam. Zurück in Brooklyn fand er in seinem Nachbarn, dem renommierten Banker Tom Potter, einen Mitstreiter für die Suche nach Investoren und gründete schließlich die eigene Mikrobrauerei. Mit gezielten Investitionen, zum Beispiel in einen bekannten Grafiker, der ihnen ihr einprägsames Logo entwarf, viel Engagement und verrückten Ideen beim Vertrieb und nicht zuletzt durch gute Produkte wuchs das Unternehmen rasant. Dem Status einer Mikrobrauerei ist man streng genommen längst entwachsen.
Kein Bier von der Stange


Breit aufgestellt
Neben der Expansion des Kerngeschäftes verdient die Brooklyn Brewery durch den rasch erlangten Kultstatus mittlerweile auch am Verkauf zahlreicher Merchandise-Artikel. Vom Shirt über Socken bis hin zu Seife aus Bier versucht man, divh auch auf diesem Markt breit aufzustellen und den guten Namen in bare Münze zu verwandeln. Ganz nach deutschen Vorbild kann man die Biere deshalb auch direkt bei einer Brauerei-Führung verkosten. Und das lohnt sich, denn am besten schmeckt es doch immer noch vor Ort: In den heiligen Hallen der Brooklyn Brewery und mit einem Song der Beastie Boys auf den Ohren: "New York, you make it happen".