Er möge trinken oder weggehen

Er selbst ist nun seit 17 Jahren Winzer. 17 Jahre die ihn sehr glücklich gemacht haben, viel mehr als der Fußball das je konnte. „An meine aktive Zeit bei Ascoli Calcio denke ich heute nur noch sehr selten zurück. Vieles von damals habe ich vergessen.“ Dabei spielte er insgesamt vier Jahre in der italienischen Eliteliga, der Serie A, war der Regisseur seines Teams, trug die Nummer 10 des Spielgestalters auf dem Rücken. Nun zieht er im Weinberg die Fäden. Auf die Nachfrage, ob denn das Gerücht stimme, dass in Italien auch vor den Ligaspielen Wein getrunken wird, bekommt er sofort wieder sein typisches Funkeln in die Augen: „Natürlich, immer. Das machen fast alle italienischen Mannschaften, der Wein gibt einem ja auch Energie. Und ein wenig dankbar bin ich meinem früheren Leben ja auch, immerhin hat mir der Fußball ermöglicht, immer guten Wein kaufen zu können“, lacht Luigi.
Theologie und Philosophie
Seine Karriere als Winzer begann er jedoch nicht unmittelbar nach der sportlichen. „Meine Eltern hatten immer gesagt, wenn ich Fußballprofi werden will, müsste ich auch noch etwas Anständiges lernen.“ Dieses Versprechen gab er ihnen und so studierte Valori, nachdem er die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hatte, Theologie und Agronomie. Vielleicht war es gerade dieses Studium, welches ihm die Demut im Umgang mit seinen Reben lehrte. Die Achtung vor den Trauben und die Akribie, mit der er sich an die Arbeit im Weinkeller macht. Dort reifen die Weine, die er auf seinen inzwischen 16 Hektar Weinbergen, die er ganz alleine bestellt, erntet.So probiert man sich mit ihm durch seine Weine und lernt dabei immer neue Facetten seines enthusiastischen Charakters kennen, beginnt er doch plötzlich, Hegel, Kant und weitere Philosophen zu zitieren und bekennt, der marxistischen Lehre äußerst zu getan zu sein. Fußballer, Theologe und Hobbyphilosoph, seinen Weinen scheint es nicht zu schaden. Im Gegenteil. Hauptsächlich baut er den in der Region am weitest verbreiteten Montepulciano d´Abruzzo an, aber auch etwas Merlot und die weiße Traube Trebbiano.
Barrique und Stahltank

Danach kommt er jedoch gleich wieder zum Wein, beginnt zu berichten, dass die Arbeit und die Vergärung des Weines mit Naturhefe hier in diesem blitzsauberen Keller eigentlich nur fünf Prozent am Erfolg des späteren Weines ausmache: „95 Prozent passiert draußen, in den Weinbergen. Das Wetter muss stimmen, die Blätter und auch manche Trauben müssen an den Weinstöcken je nach Sonnenbestrahlung geschnitten werden. So reduziert man zwar den Ertrag, aber die Qualität steigt natürlich enorm“, erklärt Valori. In den vergangenen Jahren hat er sich viel Knowhow angeeignet und weiß, was seinen Weinen gut tut, wie lange sie im Einzelnen in den Barriques und Tanks reifen müssen.
Als wir danach wieder in die sengende Nachmittagshitze hinaustreten, bemerken wir erst, wie die Zeit hier an diesem malerischen Fleckchen Erde verflogen ist. Das lag weniger an den guten Weinen, die wir hier probiert haben, sondern vielmehr an Luigi selbst. Der gestenreiche und sympathische Wirbelwind verkauft seine Weine übrigens nicht selbst, sie werden vom Weingut Masciarelli vertrieben. Dessen Gründer, der 2008 verstorbene Gianni Masciarelli, war ein guter Freund von Luigi, bot an, ihm beim Vertrieb unter die Arme zu greifen. Luigi Valori nahm dankend an, schließlich will er kein Verkäufer sein, sondern nur noch das tun, was ihn glücklich macht: Wein machen und darüber philosophieren. Und beides tut er so gut, dass wir garantiert wiederkommen, um auf sein Wohl anzustoßen: Cin Cin, Luigi!
Bildergalerie
Luigi Valoris Weine (und auch jene von Masciarelli) finden Sie hier:
www.wagners-weinshop.com